Aktuelle Befunde über Fischkrankheiten in deutschen Küstengewässern.

Möller, Heino (1991) Aktuelle Befunde über Fischkrankheiten in deutschen Küstengewässern. Open Access Deutsche Hydrographische Zeitschrift, 44 (5-6). pp. 321-327. DOI 10.1007/BF02231716.

[img] Text
möller.pdf - Published Version

Download (563Kb)

Supplementary data:

Abstract

In den 1980er Jahren wurden umfangreiche Bestandsaufnahmen zur Formenvielfalt der Fischkrankheiten sowie der saisonalen und regionalen Fluktuation ihrer Befallsraten in deutschen Küstengewässern angestellt. Sowohl Formenvielfalt als auch viele der Befallsraten scheinen im Wattenmeer und insbesondere in den dortigen Flußmündungen größer zu sein als in Vergleichsgewässern.

Drei “neue” Krankheitsformen werden vorgestellt: die nahrungsinduzierte Maulgranulomatose des Stints, die vermutlich durch Flexibacter-Bakterien verursachte Gelbe Pest des Kabeljaus und eine Fibrom des Steinpickers, in dem lentivirusähnliche Partikel nachgewiesen wurden.

Das Schwergewicht der bisherigen Forschungsvorhaben lag auf dem Sammeln von Felddaten. Mangels experimenteller Arbeitsansätze müssen viele wichtige Fragen zur Bedeutung dieser Krankheiten daher heute noch unbeantwortet bleiben. So bleibt die Vermutung unbewiesen, daß ein Reihe von parasitenbedingten Krankheiten einen entscheidenden Beitrag zur natürlichen Sterblichkeit vor allem von jungen Nutzfischen im Wattenmeer liefert. Auch das komplizierte Wirkungsgefüge anthropogener und natürlicher Faktoren bei der Entstehung von Fischkrankheiten im Gebiet wird ohne gezielte experimentelle Arbeiten nicht aufzudecken sein.

Das Auftreten von Gelber Pest, Ichthyophonus-Krankheit und lentivirusähnlichen Partikeln in Fischtumoren stellt ein beträchtliches Gefährungspotential für die deutsche Fischwirtschaft dar. Allgemein ist festzustellen, daß in Deutschland eine große Empfänglichkeit gegenüber Umweltproblemen auf dem Gebiet der Marinen Pathologie besteht. Die nationalen Forschungskapazitäten sind aufgrund anderer, meist kurzfristig angelegter Arbeitsschwerpunkte jedoch nicht ausreichend darauf vorbereitet, diese Probleme auch erfolgreich zu analysieren und zu bewerten.

Als Konsequenz wird gefordert, der bislang vernachlässigten Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Marinen Pathologie neben der reinen Datenerhebung auf See künftig eine größere Bedeutung zuzumessen. Das gilt insbesondere für experimentelle und für biochemisch- und mikroskopisch-diagnostische Arbeiten. Künftig auftretende Probleme werden nur dann rechzeitig zu bewerten und zu lösen sein, wenn sich ein ausreichend breit angelegtes und fundiertes Wissenspotential kontinuierlich weiterentwickeln kann.

Document Type: Article
Research affiliation: OceanRep > GEOMAR > FB3 Marine Ecology > FB3-EV Marine Evolutionary Ecology
Refereed: Yes
Open Access Journal?: No
DOI etc.: 10.1007/BF02231716
ISSN: 0012-0308
Date Deposited: 05 Mar 2018 12:53
Last Modified: 05 Mar 2018 12:53
URI: http://oceanrep.geomar.de/id/eprint/42144

Actions (login required)

View Item View Item

Document Downloads

More statistics for this item...